OpenCourse 2011 - Zukunft des Lernens
Meine Idee für die Neugestaltung dieser Internetseite nach dem Ende des Pilotprojektes Die Lerninsel im Februar diesen Jahres war u.a. die, angemeldete Besucher dazu zu animieren die Blogfunktion für persönliche Lerntagebücher zu nutzen. Die Seite ist lange noch nicht fertig und wird im Laufe der nächsten Wochen und Monate weiter entwickelt werden, aber nachdem ich mich entschlossen habe am OpenCourse 2011 mit dem Thema Zukunft des Lernens teilzunehmen liegt es nahe, selber hier ein Lerntagebuch zu beginnen und das für meine Diskussionsbeiträge zum Kurs zu nutzen.
Die in dieser Woche beginnende erste Kurswoche steht unter dem Thema:
Warum sich was verändern muss.
Lern- und Bildungsvisionen
Die Willkommensseite des offiziellen Kursblogs begrüßt ihre Besucher mit den Worten: "Der OpenCourse richtet sich an alle, die an der Zukunft des Lernens in der Mediengesellschaft, an der Zukunft des mediengestützten Lernens und an der Zukunft des Lernens allgemein interessiert sind." Da bin ich richtig.
Kurzbeschreibung der Lerninselprojektes
Ich habe im letzten Jahr in dem Projekt Die Lerninsel mit meinen Lern- und Bildungsvisionen experimentiert und ich bin an einem Punkt an Grenzen gestoßen, der vor allen Dingen dann relevant ist, wenn es um mediengestütztes Lernen geht. Wer mediengestütztes Lernen sagt und im Internet darüber schreibt, der meint in aller Regel Lernen mit digitalen Medien.
Die Idee des Lerninselprojektes war es einen offenen Raum zur Verfügung stellen in dem diejenigen, die sich durch das Motto "Lern doch was Du willst!" oder durch die gezielte Provokation: "Drei Stunden am Tag vor Deiner Playsatation bringen dich vielleicht einen Level weiter! Drei Stunden am Tag etwas lernen verändern Deine Welt!" angesprochen fühlten Lernideen zu entwickeln und zu verwirklichen..
Um das in Detmold angemietete Ladenlokal herum sollte eine Gemeinschaft (neudeutsch: Community) ins Leben gerufen werden, die sich an der Durchführung und Fortentwicklung des Projektes beteiligt. In einem offenen gemeinschaftlichen Entwicklungsprozess (wie z.B. bei Wikipedia oder bei der Entwicklung von Freier Software) sollten die Inhalte und Angebote der Lerninsel entwickelt und ausgebaut werden. Auch die konkrete Ausgestaltung des Ladenlokals hätte mit der Community weiter betrieben werden können.
Meine Absicht war es jede Lernidee zu unterstützen für deren Realisierung nicht viel mehr als die eigene Zeit investiert werden musste. Die Räumlichkeit eines offen einsehbaren Ladenlokals mit großen Fenstern und einem kleinen Computernetzwerk sollte gemeinsames Lernen und gemeinsamen Austausch dadurch fördern, dass die Anwesenden sich direkt über ihre aktuellen Aktivitäten austauschen konnten. Für die Erarbeitung von Lernideen sollten die Kenntnisse der Besucherinnen und Besucher genutzt werden sowie die Kenntnisse der ehrenamtlichen "Mitarbeiter". Wo die so vorhandenen Ressourcen nicht ausreichten war geplant, das Internet für Recherche, Networking und kollaboratives Arbeiten zu nutzen. Die auf diese Weise erarbeiteten Lernpfade hätten veröffentlicht und für nachfolgende Interessenten zur Verfügung gestellt werden sollen.
Es geht in dieser ersten Kurswoche Woche ja um Visionen. Meine Vision hinter diesem Projekt war und ist die, Lernen auch für Menschen attraktiv zu machen, die dem staatlichen Bildungs- und Fortbildungssystem entwachsen oder - wie mancher von ihnen vielleicht denken mag - entronnen sind. Attraktiv heißt hier auch, dass die Lernenden entdecken können, dass man Lernen so gestalten kann, dass es Spaß macht und dass dieser Spaß z.B. im gemeinsamen Austausch von Lernideen und Lernwegen bestehen kann. Ein System eben in dem man nicht dann gut ist, wenn man besser ist als der Nachbar oder die Nachbarin sondern in dem man gut ist, wenn man es schafft seinen Nachbarn so weit zu unterstützen, dass er mindestens genau so gut wird wie man selbe ist. "Streber" sollte kein Schimpfwort sein!
Die Zielgruppe der Lerninsel war offiziell nicht eingegerenzt, da das der Idee von einem wirklich offenen Projekt widerspochen hätte. Das Angebot sollte aber vor allen Dingen auch Menschen mit viel freier Zeit also u.a. Arbeitslose und Klienten sozialer Arbeit ansprechen und für Lernen interessieren.
Worum es mir im Zusammenhang mit der Zukunft des Lernens geht
Das Lerninselprojekt ist Ende Feburar eingestellt worden, weil es nicht gelungen ist den offenen gemeinschaftlichen Entwicklungsprozess auch nur ansatzweise zu initiieren. Dafür gibt es eine ganze Reihe von Gründen, die in diesem Zusammenhang hier nicht erörtert werden sollen.
Wichtig ist mir hier meine Erfahrung, dass ich nicht damit gerechnet hatte, dass so viele der Besucherinnen und Besucher nur rudimentäre Erfahrungen mit digitalen Medien hatten. Viele hatten garkeine solchen Erfahrungen. Ich arbeite seit Jahren mit digitalen Werkzeugen und Medien und hatte dabei ganz offensichtlich den Blick dafür verloren, dass es eine so große Bevölkerungsgruppe gibt die im Umgang mit digitalen Medien, mit dem Internet ja sogar mit Textverarbeitungsprogrammen ungeübt ist. Die großen Schaufenster des Ladenlokals, das von außen gut sichtbare Computernetwerk und der Schriftzug Die Lernisel baben viele gerade ältere Menschen zu uns geführt, die Computerkenntnisse erwerben wollten. An Internetrecherche, Networking, Social Media oder gar die Dokumentation von Lernwegen, Lernzielen oder Lernfortschritten in einem Wiki oder einem Blog war garnicht zu denken. An dieser Stelle konnte das Konzept nicht aufgehen. Es ging darum wie funktioniert eien Tastatur, wie speichert man Dateien ab, wie findet man sie wieder etc.
Als im Herbst 2010 dann die Studie "Digitale Gesellschaft in Deutschland - sechs Nutzertypen im Vergleich" der Inititive D21 herausgekommen ist, konnte ich nur noch zustimmend mit dem Kopf nicken. Die Studie stellt aufgrund von Befragungen aus dem Jahr 2009 fest, dass 35% der Bevölkerung sogenannte digitale Außenseiter sind und weitere 30% Gelegenheitsnutzer. Das Durchschnitsalter der beiden Nutzertypen liegt bei 62,5 Jahren und 41,9 Jahren und sie haben eine geringe bzw. einfache bis mittlere formale Bildung. Davon hatte ich in der Lerninsel viele kennen gelernt. Es lohnt sich in der Studie nachzulesen wie die Einstellungen und Nutzungsgewohnheiten dieser Personengruppen in Bezug auf digitale Medien sind und welches digitale Potential ihnen zur Verfügung steht.
Für mich werden durch diese Tatsachen einige Fragen aufgeworfen:
- Wie kann die Zukunft des Lernens für digitale Außenseiter und Gelegenheitsnutzer aussehen, wenn Lernen ohne digitale Medien so gut wie nicht mehr sinnvoll möglich ist?
- Was bedeutet das im Zusammenhang mit lebenslangem Lernen?
- Findet die Zukunft des Lernens nur in Schule und Uni statt?
- Wie gut wird in Schule und Ausbildung in den Umgang mit digitalen Werkzeugen und Medien eingeführt? Wo muss eine solche Ausbidung ansetzen?
- Wer kennt sich eingentlich wirklich mit Dateiverwaltung aus? Was ist, wenn der Download - aus welchem Grunde auch immer - mal nicht im Standarddownloadverzeichnis auftaucht?
- Wer weiß was über das Geheimnis der rechten Masutaste?
- Was sollte jeder, der an der Zukunft des Lernens teilnehmen will, über das Web 2.0 wissen? Wo lernt man eigentlich mit Twitter umgehen?
Noch Fragen? Gerne .. ich bin gespannt.
Und ein paar Antworten, aber nicht zu viele ..
.. damit der Platz für weitere Phantasieen und Visionen nicht so eingeschränkt wird.
- Es braucht eine "Appisierung" der Rechnerwelt, wie wir sie von den Smartphones her schon kennen. Programme, die sich selbst installieren und so funktionieren, wie man es erwartet. Die immer so funktionieren, wie man es erwartet. Apps, Apps, Apps!!
- Betriebssysteme müssen nutzerfreundlicher werden, fehlerunanfälliger. Z.B müssen Drucker einfach so funktionieren immer und ohne jede Macke, auch wenn dann Horst Evers ein paar Ideen für humoristische Einlagen fehlen sollten. es soll mir keiner sagen das ginge nicht!
- Gunter Dueck schlägt in seinem sehenswerten Vortrag auf der re:publica 2011 (Eilige steigen bei Minute 26:00 ein) vor, das Studium über Yotube-Videos zu organisieren. 360 youtubes als Äquvalent für 180 Creditpoints. Es wäre einen Versuch wert zumindest mal Computergrundlagen für Anfänger systematisch über Screencasts zur Verfügung zu stellen. Ich halte das für ein Gebiet, das unbedingt bearbeitet werden muss.
- Lernen kann nicht mit dem Schulzeugnis aufhören. Es muss langfristig attraktiv beiben und ich glaube, dass Neue Medien dazu beitragen können. Aber 65% digitale Außenseiter und Gelegenheitsnutzer dürfen da nicht ausgeschlossen werden.
Weitere Antworten? Gerne .. ich bin gespannt.

Kommentare
Kommentar hinzufügen